Globensammlung

Über die Sammlung | Sammlungsgeschichte | Zugang | Weiterführende Hinweise

Fachliche Zuordnung

Geographie, Geowissenschaften, Astronomie, Wissenschaftsgeschichte

Materialart

Globen

Umfang

16 Globen

Status

abgeschlossen

Zeitraum

16. bis 21. Jahrhundert

Region

Europa

Erschließung

teilweise erschlossen

Standort

Historisches Gebäude

Kontakt

hsd@sub.uni-goettingen.de

karten@sub.uni-goettingen.de

Über die Sammlung

Die Göttinger Globensammlung umfasst 16 Objekte aus dem 16. bis 21. Jahrhundert, mit einem zeitlichen Schwerpunkt im 18. Jahrhundert. Das älteste Stück ist ein Erdglobus aus dem Jahr 1599 aus der Amsterdamer Werkstatt des berühmten Kartografen und Verlegers Willem Blaeu. Der Globus konzentriert sich auf den Pazifischen Ozean und dokumentiert, wie weit die niederländischen Seefahrer zu diesem Zeitpunkt bereits vorgedrungen waren. Neben mehreren Erd- bzw. Universalgloben gehören zum Göttinger Bestand ebenfalls vier Himmelsgloben, ein meteorologischer Globus, ein Magnetglobus sowie eine Armillarsphäre.

Zu den exponierten Objekten zählt beispielsweise die moderne Rekonstruktion eines Mondglobus von Tobias Mayer. Der Göttinger Astronom fertigte 1748/1750 auf der Grundlage genauer teleskopischer Beobachtungen 24 Kartensegmente für einen detaillierten Mondglobus an. Das Vorhaben blieb unvollendet, erhalten haben sich jedoch die kupfernen Druckplatten für sechs Segmente im Physikalischen Kabinett sowie acht Tuschezeichnungen, darunter zwei nicht anderweitig dokumentierte Segmente, in der SUB Göttingen. Auf dieser Basis wurde von 2005 bis 2008 im Auftrag des Tobias-Mayer-Vereins zu Marbach am Neckar durch die Werkstatt Ars Mechanica in Bremen und Berlin 25 Exemplare des Mayerschen Mondglobus angefertigt. Er kann im Forum Wissen besichtigt werden.

Erwähnung verdienen außerdem ein Erd- und ein Himmelsglobus aus der Werkstatt des bedeutenden Mathematikers und Physikers Johann Gabriel Doppelmayr. Doppelmayr produzierte ab 1728 in Nürnberg gemeinsam mit Johann Georg Puschner dem Älteren Himmels- und Erdgloben, die im 18. Jahrhundert als marktführend galten. Die Göttinger Exemplare gelangten vermutlich über die Sammlung Uffenbach in den Besitz der Bibliothek.

Besondere Stücke

  • Globus 2 – Johann Gabriel Doppelmayr: Globus terrestris, Nürnberg 1728
  • Globus 3 – Johann Gabriel Doppelmayr: Globus coelestis novus, Nürnberg 1728
  • Globus 4 – Willem Blaeu: Terrae marisque portatile Theatrum, Amsterdam 1599
  • Globus 14 – Mondkugel nach Tobias Mayer, Bremen/Berlin 2005–2008

Sammlungsgeschichte

Die Globensammlung der Universitätsbibliothek speist sich aus verschiedenen Quellen. Mehrere Stücke kamen als Abgaben des geographischen Apparats an die Bibliothek. Der Blaeusche Globus (Globus 4) wurde aus der Sammlung der mathematischen Instrumente übernommen, nachdem diese 1892 aufgelöst worden war. Andere Stücke wurden von der Universitätsbibliothek angekauft oder ihr als Geschenk übergeben.

1888/1889 wurde ein großer Teil der Kartensammlung, darunter wohl auch die Globen, an das Geographische Institut in Göttingen abgegeben, wo sie bis 1988 verblieben. Über die Entwicklung der Globensammlung in dieser Zeit ist wenig bekannt. Zwischen 1890 und 1946 wurden zehn weitere Stücke erworben. In den 1970er Jahren, vor der Rückgabe an die Universitätsbibliothek, waren an der gesamten Universität Göttingen 20 historische Globen nachweisbar. Ob zu den Kriegsverlusten auch Globen gehörten, ob bestimmte Objekte nicht an die SUB Göttingen ab- oder zurückgegeben, ggf. auch makuliert wurden, lässt sich zumeist nicht mit mehr Bestimmtheit sagen. Der heutige Bestand umfasst, einschließlich der Ergänzungen des 20. Jahrhunderts und des rekonstruierten Mondglobus, 16 Stücke.

Zugang

Kataloge, Datenbanken und weitere Findmittel

Für weitere Auskünfte zu den Globen, ihrer Provenienz und ihrem Zustand wenden Sie sich per E-Mail an hsd@sub.uni-goettingen.de. Für die Erwerbungen zwischen 1879 und 1907 kann das Verzeichnis der Anschaffungen für den geographischen Lehrapparat der Universität Göttingen herangezogen werden. Eine Übersicht über den Bestand historischer Globen im Besitz der Universität Göttingen vor der Rückgabe an die Bibliothek vermittelt der Beitrag von Werner Horn „Alte Globen in Göttingen“.

Vor Ort

Bitte beachten Sie, dass für die Benutzung der Globen, insbesondere der historischen, besondere Bedingungen gelten. Bestellen Sie das jeweilige Objekt bitte per E-Mail rechtzeitig vor Ihrem Besuch, mindestens drei Werktage im Voraus. Die Benutzung ist ausschließlich im Historischen Gebäude und unter Aufsicht möglich. Aufgrund konservatorischer Vorgaben kann der Zugang zu besonders fragilen Stücken eingeschränkt sein.

Weiterführende Hinweise

  • Uta Klaer: Aufbau und Entwicklung der Göttinger Kartensammlung. Ein Beitrag zum Problem der Sondersammlung an wissenschaftlichen Universitätsbibliotheken (Kartensammlung und Kartendokumentation 7), Bonn 1970. ↗GUK
  • Martin Liebetruth: Digitalisat von Globus 7.
  • Dieter Meyerhöfer: Johann Friedrich von Uffenbach. Sammler – Stifter – Wissenschaftler, Diss. Göttingen 2019, S. 352f., DOI: https://dx.doi.org/10.53846/goediss-7957.
  • Günther Oestmann: Der Mondglobus Tobias Mayers (1723–1762) / The Lunar Globe of Tobias Mayer (1723–1762), in: Der Globusfreund 47/48 (1999), S. 221–228, https://www.jstor.org/stable/41628970.
  • Günther Oestmann: Zur Rekonstruktion und Publikation des Mondglobus von Tobias Mayer, in: Der Globusfreund 57/58 (2011), S. 38–49, https://www.jstor.org/stable/43054879.
  • Karin Reich und Eberhard Knobloch: Leibnizens Magnetglobus und seine historischen Quellen (Nachrichten der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. N. F. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse 1/2024), Göttingen 2024; DOI: https://doi.org/10.26015/adwdocs-4573.

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