Koptische Handschriften

Über die Sammlung | Sammlungsgeschichte | Zugang | Weiterführende Hinweise

Materialart

Papier, Pergament, Papyrus

Umfang

30 Handschriften bzw. Fragmente

Status

abgeschlossen

Zeitraum

9./10. bis 20. Jahrhundert

Region

Ägypten, Europa, MENA-Region

Erschließung

vollständig erschlossen

Standort

Historisches Gebäude

Kontakt

hsd@sub.uni-goettingen.de

Über die Sammlung

Die Signaturengruppe „Cod. Ms. kopt.“ umfasst 11 Handschriften. Abgesehen von zwei Codices aus dem 14. Jahrhundert stammen sie aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Inhaltlich überliefert der Bestand vor allem liturgische Texte sowie eine Evangelienhandschrift.

Weitere koptische Stücke gelangten mit dem Nachlass des umstrittenen Theologen und Orientalisten Paul de Lagardes an die Universitätsbibliothek. Dabei handelt es sich vornehmlich um zeitgenössische Abschriften und annotierte Drucke. Eine Ausnahme bildet das Fragment einer koptischen Handschrift, das in das 9. oder beginnende 10. Jahrhundert datiert werden kann und die Apophthegmata Patrum enthält, eine berühmte Sammlung von lehrhaften Geschichten. Dieses Fragment ist ein seltenes Zeugnis dieses Textes in bohairischem Koptisch, der literarischen und liturgischen Sprache des mittelalterlichen ägyptischen Christentums.

Koptische Handschriften und Fragmente finden sich außerdem im Nachlass des Bibliothekars und Orientalisten Richard Pietschmann, sowie in den Beständen der arabischen Handschriften und der Orientalia varia. Zur letztgenannten Signaturengruppe gehören zwei Sammlungen koptischer Bruchstücke: Mehrere hundert Fragmente lassen sich einem Codex in sahidischem Koptisch aus dem 9. oder 10. Jahrhundert zuordnen, der vermutlich im wichtigen Schreibzentrum Tebtynis in der Oase Al-Fayyum kopiert wurde (Cod. Ms. or. var. 40). Zu den arabischen Handschriften zählen drei Codices mit koptischen Textstücken (8 Cod. Ms. arab. 117, 4 Cod. Ms. arab. 119 und 133) sowie drei mit Annotationen bzw. erläuternden Glossen in Koptisch (8 Cod. Ms. arab. 101, 4 Cod. Ms. arab. 103, 8 Cod. Ms. arab. 105).

Besondere Stücke

  • 2 Cod. Ms. kopt. 1 – Evangelienlektionar, Kairo/Ḥārat er-Rūm, 14. August 1775
  • 2 Cod. Ms. kopt. 3 – Lektionar (Katameros), Wadi El Natrun, 12. April 1337
  • 2 Cod. Ms. Lagarde 138 a Cim. – Apophthegmata Patrum, 9./10. Jahrhundert
  • Cod. Ms. Lagarde 138 l – Transkription Paul de Lagardes von Fragmenten aus dem Weißen Kloster (Sohag), 19. Jahrhundert
  • Cod. Ms. or. var. 40 – Nicht identifizierte Fragmente eines literarischen Textes, vermutlich Tebtynis/Al-Fayyum, 9./10. Jahrhundert

Sammlungsgeschichte

Die Handschriften der Signaturengruppe „Cod. Ms. kopt.“ gelangten 1878 als Geschenk des Ägyptologen Heinrich Brugsch an die Universitätsbibliothek. Brugsch hatte sie 1870 im Pschoi-Kloster im Wadi el-Natrun erworben. Die Fragmente Cod. Ms. or. var. 1 stammen aus einer Schenkung des Archäologen und Sammlers Wilhelm Fröhner aus dem Jahr 1884.

Die koptischen Handschriften in den Nachlässen von Pietschmann und Lagarde sind das Resultat ihrer wissenschaftlichen Studien im Bereich der Koptologie. So fertigten sie eigene Abschriften von koptischen Texten oder Übersetzungen an, tauschten Briefe mit Experten aus, oder sammelten Quellen für ihre Studien. Der Hauptteil des Nachlasses Lagardes kam zwischen 1892 und 1894 an die Bibliothek. Er umfasst hauptsächlich Handexemplare von Lagardes Publikationen, Manuskripte und orientalische Handschriften. 1901 erhielt die SUB Göttingen umfangreiche Ergänzungen zum Nachlass, darunter die umfangreiche Korrespondenz Lagardes und seiner Witwe Anna, Akten, Manuskripte, Notizen, Rezensionen sowie persönliche Dokumente wie Fotos und Urkunden. Der Nachlass wurde später durch Einzelstücken aus verschiedenen Provenienzen ergänzt. Der Nachlass Pietschmann wurde der Bibliothek 1936 überlassen. 1954 folgten diverse Ergänzungen durch Georg Leyh.

Zugang

Kataloge, Datenbanken und weitere Findmittel

Ein Großteil der Handschriften ist ausschließlich im Handschriftenkatalog von Wilhelm Meyer von 1894 beschrieben. Ergänzungen zum Nachlass Lagarde sowie der Nachlass Richard Pietschmann sind in Kalliope, der nationalen Nachweisdatenbank für Nachlässe und Autographen, verzeichnet. Katalogisate der arabischen Handschriften können über Qalamos, die Datenbank der orientalischen Handschriften in deutschen Sammlungen, abgerufen werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Neuerschließungen, sondern um die digitale Bereitstellung bereits vorhandener Katalogdaten auf der Basis des Meyerschen Katalogs.

Die Ausstellung Entangled Communities: Global Egypt and Its Multilingual Manuscript Heritage, die anlässlich des 13. Internationalen Kongresses für Koptische Studien 2026 in Göttingen durchgeführt wurde, beleuchtet den weit verzweigten Austausch kultureller, sprachlicher und religiöser Traditionen, die Afrika, Asien und Mittelmeerraum miteinander verbinden. Im Begleitheft werden verschiedene Handschriften aus den Beständen der SUB Göttingen beschrieben.

Vor Ort

Die koptischen Handschriften können nach vorheriger Bestellung vor Ort oder per E-Mail im Lesesaal des Historischen Gebäudes der SUB Göttingen eingesehen werden, sofern ihr konservatorischer Zustand eine Benutzung zulässt. Die Termine zur Einsichtnahme sollten mindestens zwei Werktage vor der Anreise unter Nennung der gewünschten Signaturen vereinbart werden.

Digital

Bislang wurden drei koptische Handschriften bzw. Handschriftenfragmente digitalisiert, die über das Göttinger Digitalisierungszentrum (GDZ) digital zur Verfügung gestellt werden.

Weiterführende Hinweise

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Nachlässe

Nachlasssammlung der SUB Göttingen mit dem Schwerpunkt auf der Göttinger Wissenschafts- und Universitätsgeschichte