Südasiatische Handschriften

Über die Sammlung | Sammlungsgeschichte | Zugang | Weiterführende Hinweise

Materialart

Handschriften und Handschriftenfragmente auf Papier, Palmblätter, Birkenrinde, Fotoabzüge, Inschriften-Abklatsche

Umfang

1.160 Handschriften, ca. 70 Fotografien, über 100 Inschriftenabklatsche

Status

sporadisch ergänzt

Zeitraum

12./13. bis 20. Jahrhundert

Region

Indien, Nepal, Tibet

Erschließung

zu weiten Teilen erschlossen

Standort

Historisches Gebäude

Kontakt

hsd@sub.uni-goettingen.de

Über die Sammlung

Die Universitätsbibliothek besitzt mehr als 1.000 Handschriften aus dem indischen Kulturkreis, die überwiegend Texte in Sanskrit enthalten. Einige zweisprachige Manuskripte überliefern Texte in weiteren Sprachen bzw. Sprachformen wie Alt-Kaśmīrī oder Jaina-Prakrit sowie Tamil, Telugu und Maṇipravāla. Die Handschriften stammen vorwiegend aus Indien, Nepal und Tibet. Sie sind in verschiedenen südasiatischen Schriften abgefasst, vor allem in Devanāgari, Nāgāri und Sāradā, daneben auch in Grantha- und Oriya-Schrift sowie vereinzelt in Telugu- und Maithili-Schrift. Als Beschreibstoffe wurden überwiegend Papier und Palmblätter verwendet; lediglich ein Fragment besteht aus Birkenrinde. Die Handschriften datieren vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem 18. bis 20. Jahrhundert. Inhaltlich überwiegen Werke der vedischen und klassischen Literatur, Dichtung, Dharma (religiöse Gesetz, Ethik), Ritualtexte, (shivaitische) Philosophie, Grammatik, Astronomie und Astrologie.

Neben den Original-Handschriften verfügt die SUB Göttingen auch über einen größeren Bestand von Fotoabzügen buddhistischer Sanskrittexte, die der indische Gelehrte Rāhula Sāṅkṛtyāyana (1893–1963) von mehreren Expeditionen nach Zentraltibet mitbrachten. Den Bestand ergänzt eine umfangreiche Sammlung von Inschriften-Abklatschen aus dem Besitz Franz Kielhorns (1840–1908), Eugen Hultzschs (1857–1927) sowie aus dem Seminar für Indologie und Buddhismuskunde in Göttingen.

Besondere Stücke

  • Cod. Ms. sanscr. 258 – Amarakosatika (Fragment), Palmblatthandschrift, undatiert
  • Cod. Ms. sanscr. 256 – Aṣṭasāhasrikā Prajñaparamita, Palmblatthandschrift, ca. 13. Jahrhundert
  • Cod. Ms. Sanscr. Mu. I 2 – Bhagavatapurana, Handschrift auf Birkenrinde, ca. 14. Jahrhundert
  • Cod. Ms. sanscr. 257 – Sammelhandschrift buddhistisch-tantrischer Sanskrittexte, ca. 14. Jahrhundert
  • Cod. Ms. sanscr. 130 – Kalpa Sūtra des Bhadrabāhu, Fragment in Jaina-Prakrit, 1431
  • gr. 2 Cod. Ms. sanscr. 68 – Grammatik des Panini, kommentiert und teilweise übersetzt von Henry Thomas Colebrook, Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts

Sammlungsgeschichte

Der Ursprung der Sammlung geht auf die Entwicklung der Fächer Indologie und Buddhismuskunde an der Universität Göttingen zurück. Göttingen war die vierte deutsche Universität, an der Sanskrit gelehrt wurde. Den Auftakt bildete die Vorlesung von Heinrich Ewald (1803–1875) im Wintersemester 1826/1827 „Über die Sanskrit-Sprache und Literatur“. Als Ewald infolge der Proteste der Göttinger Sieben die Stadt verlassen musste, wurden die Sanskritstudien 1837 unter Theodor Benfey (1809–1881) fortgeführt. In dieser Epoche gelangten auch die ersten indischen Handschriften als Schenkungen an die Universitätsbibliothek: vier aus dem Besitz Heinrich Ewalds sowie sieben aus dem Erbe des Sanskrit-Forschers Friedrich August Rosen (1805–1837).

Den weitaus größten Teil der frühen Göttinger Sammlung verdankt die Bibliothek Franz Kielhorn, Professor für Indologie an der Universität Göttingen. Kielhorn hatte vor Antritt seiner Professur 15 Jahre am Deccan College in Pune Sanskrit gelehrt. Dort hatte er auch mit dem Aufbau seiner Handschriftensammlung begonnen. Zwischen 1887 und 1892 überließ Kielhorn der Universitätsbibliothek 83 Handschriften als Geschenk, nach seinem Tod erhielt die Bibliothek von seiner Witwe über 90 Handschriften sowie eine Sammlung von Inschriften-Abklatschen (Cod. Ms. Inscr. Ind. A).

Durch Ankäufe und Schenkungen kamen im 19. und 20. Jahrhundert weitere Manuskripte nach Göttingen. 1899 wurden vier Handschriften vom Indologen Eugen Hultzsch angekauft. 1962 konnte die Bibliothek ihrem Bestand über 200 Handschriften aus dem Erbe Otto Schraders (1855–1919) hinzufügen (Cod. Ms. Schr.). Zu Beginn der 1960er Jahre wuchs die Zahl der indischen Handschriften um mehrere hundert an, als vier umfangreiche Kollektionen aus Indien erworben wurden (Cod. Ms. Sanscr. Mu., Madh., Sham. und Vish).

Die Erwerbungen seit den 1960er Jahren waren vielfach auf den Einsatz Gustav Roths (1916–2008) zurückzuführen, der als akademischer Rat am Seminar für Indologie in Göttingen lehrte. Auf Vermittlung von Gustav Roth konnte sich die Universitätsbibliothek auch fünf Handschriften bzw. Handschriftenfragmente des indischen Forschers Rāhula Sāṅkṛtyāyana sichern, die dieser während seiner Tibetexpeditionen in den 1930er Jahren angefertigt hatte (Cod. Ms. sanscr. 256–259). Das Seminar für Indologie und Buddhismuskunde in Göttingen erwarb zudem von 1968 bis 1971 und 1979 Abzüge der in Tibet fotografierten Handschriften Sāṅkṛtyāyanas; diese gingen mittlerweile in den Bestand der SUB Göttingen über.

Zugang

Kataloge, Datenbanken und weitere Findmittel

Für den Einstieg in Ihre Recherchen empfehlen wir Qalamos, das Online-Portal für Handschriften asiatischer und afrikanischer Schrifttraditionen in Deutschland. Die südasiatischen Handschriften der SUB Göttingen sind hier nahezu vollständig erfasst. Die Katalogisate in Qalamos basieren auf verschiedenen Katalogen und Findmitteln, die häufig unterschiedlichen Teilsammlungen gewidmet sind.

Ein Großteil der Handschriften ist in den gedruckten Katalogen der Reihe „Verzeichnis der Orientalischen Handschriften in Deutschland“ (VOHD) beschrieben oder in der Datenbank „KOHD Digital (Katalogisierung der Orientalischen Handschriften in Deutschland)“ erfasst. Auskunft über die älteren Bestände gibt der Handschriftenkatalog von Wilhelm Meyer aus den Jahren 1893 und 1894 sowie zwei von Richard Fick publizierte Beiträge zur Sammlung Kielhorn. Für die Fotografie-Abzüge sowie die Inschriftenabklatsche existieren spezielle, teilweise unveröffentlichte Verzeichnisse. Weitere Informationen zu den Bestände finden Sie auf der die Webseite „ Fiindolo“, der Fachinformationsführer zu süd- und südostasiatischen Sprachen und Kulturen.

Cod. Ms. or. var. 50, 60–63, 71, 80–81
Cod. Ms. or. var. 52
  • Klaus L. Janert, Narasimhan N. Poti: Indische und nepalische Handschriften. Teil 5 (VOHD II,5), Stuttgart 1979.
Cod. Ms. or. var. 72–74, 125–127
Cod. Ms. or. var. 75
  • nicht katalogisiert

Cod. Ms. Inscr. Ind. A
Cod. Ms. Inscr. Ind. B
  • Unveröffentlichte maschinenschriftl. Liste von Klaus L. Janert
Cod. Ms. Inscr. Ind. C
  • Unveröffentlichte Bestandsliste

Cod. Ms. Sanscr. SIB Wa. 1–5, 60–63
Cod. Ms. Sanscr. SIB Wa. 10
Cod. Ms. Sanscr. SIB Wa. 6–9, 11–18, 87–94
  • nicht katalogisiert
  • unveröffentlichte Kurztitelaufnahmen

Vor Ort

Die Handschriften können nach vorheriger Bestellung im Historischen Gebäude der SUB Göttingen eingesehen werden, sofern keine Einwände von konservatorischer Seite bestehen. Dies schließt die Mehrheit der Handschriften der Signaturgruppe Cod. Ms. Oriya aus, deren momentaner Zustand keine Benutzung zulässt. Die Termine zur Einsichtnahme sollten mindestens zwei Werktage vor der Anreise unter Nennung der gewünschten Signaturen vereinbart werden.

Digital

Den Zugriff auf elektronische Texte von Werken in süd- und südostasiatischen Sprachen ermöglicht GRETIL (Göttingen Register of Electronic Texts in Indian Languages). Der Katalog der GRETIL E-Library umfasst ebenfalls Volltext-Ausgaben von älteren Standardwerken.

Weiterführende Hinweise

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